Unser persönlicher Regenbogen

Unsere Kinder haben eine sehr spezielle und persönliche Beziehung zum Regenbogen. Sie machen mich und meine Frau regelmäßig auf alle Regenbogen aufmerksam, die uns begegnen. Sei es auf Bildern, Reklametafeln, an Hauswänden oder auf echte Regenbogen am Himmel. Mit jener Inbrunst und Begeisterung, die Kindern innewohnt, teilen sie uns aufgeregt mit: „Schau! Da! Ein Regenbogen!“

Und darin schwingt ein Glücksgefühl mit, als wäre dieser Regenbogen nur für uns da. Dieser Regenbogen wird uns geschenkt, weil: Wir sind ja eine REGENBOGENFAMILIE! Ein wenig scheint alles, was mit Regenbogen zu tun hat, für unsere Kinder einer Art Geheimbund anzugehören, zu dem nur Auserwählte Zutritt haben. Auf jeden Fall wohnt dem etwas Magisches inne. Es ist schön, die kindliche Magie und den Glauben an dieses besondere Geschenk wahrzunehmen. Der Regenbogen, unser persönliches Familienzeichen.

Das kann dann auch zu Annahmen wie diesen führen: Wir sind im Urlaub auf einem Campingplatz und – per Zufall – heißt dieser Campingplatz „Regenbogencamping“. Nach zwei Tagen auf dem Zeltplatz fragt uns unser Sohn, damals circa vier Jahre alt: „Sind das hier wirklich alles Regenbogenfamilien?“ Meine Frau und ich schauen erstaunt. „Nein“, sagen wir, „Das sind alles keine Regenbogenfamilien. Der Campinglatz heißt nur so.“ Uns wäre nicht im Traum eingefallen, dass unsere Kinder meinen könnten, dass wir hier von Regenbogenfamilien umgeben sind. Aber im Nachhinein wird mir klar, wie logisch sich diese Schlussfolgerung in die Weltsicht unserer Kinder fügte. Wir kennen in Köln viele andere Regenbogenfamilien. Für unsere Kinder sind zwei Mütter mit Kind/Kindern oder zwei Mütter mit zwei Vätern oder andere Familienkonstellationen vollkommen selbstverständlich. Sie sind damit groß geworden. Erst im späteren Kindergartenjahren und natürlich in der Schule haben sie mitbekommen und verstanden, dass Regenbogenfamilien nicht die Norm unserer Gesellschaft sind, dass die meisten Kinder mit Vater und Mutter zusammenleben. Wobei – nebenbei bemerkt - der Anteil der alleinerziehenden, heterosexuellen Mütter mit jedem Schuljahr rasant ansteigt.

Allerdings frage ich mich bei so viel Regenbogen, wann und wo eigentlich die anderen Symbole für uns Lesben auf der Strecke geblieben sind. Wo ist sie hin die Doppelaxt? Früher hing sie an jedem zweiten Ohr und an jedem dritten Hals von uns lesbischen Frauen. Oder die zu einer Vagina geformten Hände. Ich erinnere mich, in den 90ern waren die Hände und die Doppelaxt DIE Symbole für uns Lesben – zumindest für diejenigen unter uns, die ihre Frauenorientierung bewusst nach Außen trugen und damit auch einen politischen Anspruch verknüpften. Daran erkannten wir uns.

Und heute? Ist alles unter´m Regenbogen vereint. Schade eigentlich. Der Regenbogen ist zwar schön bunt und symbolisiert unsere Vielfalt. Aber irgendwie ist er auch ein ziemlicher Einheitsbrei, der gerade frauenorientierte Politik wenig bis gar nicht zum Ausdruck bringt. Dennoch: Unsere Kinder lieben den Regenbogen als Symbol für unsere Familie. Und das ist gut so!

geschrieben von Familie Regenbogenbunt


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Kommentare: 1
  • #1

    Jutta M. (Montag, 04 Januar 2016 15:12)

    Ich mag den Regenbogen. Er verkörpert für mich ein farbenfrohes Bild und damit die Vielfalt, die wir Lesbenund Schwule und Transgender und auch wir Regenbogenfamilien in die Welt hinaus tragen. Deshalb: Gut, dass es den Regenbogen als weltweites Symbol gibt!

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