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5 Fragen an Birgit von den ReboKids und regenbogenfamilien-koeln.de

Info zur Person: Birgit Brockerhoff, Diplom Pädagogin, 50 Jahre jung, zwei Kinder, 9 und 11 Jahre alt.

In welchem Rahmen engagierst du dich für Regenbogenfamilien?

Ich koordiniere seit 10 Jahren die Gruppe "ReboKids". Entstanden sind die ReboKids im Jahr 2007, mein Sohn war ein paar Monate alt, und ich suchte Kontakt zu Lesben, die Babys im gleichen Alter haben. Wir waren schon beim ersten Treffen so viele, dass wir nicht in mein Wohnzimmer passten. Also mietete ich im Altenbergerhof in Nippes die Eltern-Kind-Räume. Dort trafen wir uns fünf Jahre lang wöchentlich. Die Gruppe wuchs beständig. Inzwischen sind über 80 Familien in unserem Verteiler. Das Altersspektrum der Kinder reicht von drei bis elf Jahre. Seit einigen Jahren gibt es deshalb zwei Gruppen: Die Mütter mit kleineren Kindern treffen sich monatlich, meist auf Spielplätzen. Die Mütter mit älteren Kindern treffen sich vier mal im Jahr zu gemeinsamen Ausflügen. Außerdem organisieren wir das jährliche Sommerfest und die Adventsfeier zusammen mit den Krakelas. 

Mein Hauptengagement liegt inzwischen auf der politischen Ebene. Ich bin in der LAG Regenbogenfamilien NRW aktiv. Und mit regenbogenfamilien-koeln.de versuche ich die Vernetzung zwischen den verschiedenen Regenbogenfamilien-Gruppen in Köln zu stärken und Themen und Termine der Regenbogenfamilien öffentlichkeitswirksam darzustellen.  

Was ist deine Motivation dich für Regenbogenfamilien zu engagieren?

Ich engagiere mich für Regenbogenfamilien, weil ich es wichtig finde, dass Familie in seiner gesamten Breite und Vielfalt wahrgenommen wird.  Ich habe viele Jahre offen und politisch engagiert als Lesbe in Köln gelebt. Seit ich Kinder habe ist mir bewußt geworden, dass ich als Mutter auf ganz anderen Ebenen gefordert bin, mein Lesbisch-Sein und meine Familie nach Außen zu tragen und zu vertreten. Im Kindergarten, in der Schule, in der Nachbarschaft, in alltäglichen Situationen gibt es viele kleine "coming outs" als Regenbogenfamilie. Regenbogenfamilien kommen häufig einfach nicht vor, sei es in Formularen oder im direkten Kontakt mit Behörden. Auch in einer vermeintlich fortschrittlichen Stadt wie Köln wird Familie noch zu häufig mit Vater -Mutter - Kind gleichgesetzt.  Als lesbische Mutter bin ich gefordert, offen und manchmal auch konfrontativ meine Familienform zu vertreten.

Was sind aktuelle die wichtigsten Themen in eurer Gruppe/bei eurem Angebot?

Über regenbogenfamilien-koeln.de erreichen mich regelmäßig Anfragen nach Adressen von Frauenärztinnen und Kliniken, die der Gründung einer Regenbogenfamilie positiv gegenüber stehen.  Auch die Suche nach Erfahrungsaustausch zur Stiefkindadoption sowie gute Materialien für pädagogsiche Fachkräfte in Kindergärten und Schulen sind Themen, die immer wieder auftauchen.

Was macht Köln zu einer lebenswerten Stadt für Regenbogenfamilien?

Das Angebot für Regenbogenfamilien ist in Köln vergleichsweise groß: Es gibt verschiedene Gruppenangebote und es gibt  das rubicon mit seinem Beratungsangebot. Möglichkeiten sich zu vernetzen, sich politisch zu engagieren, an kulturellen und politischen Events teilzunehmen - wie beispielsweise in den letzten beiden Jahren die Teilnahme an der CSD-Parade mit dem Regenbogenfamilien-Express - sind also vorhanden. Dieses Angebot macht Köln zu einer lebenswerten Stadt für Regenbogenfamilien. Hinzu kommt, dass in Köln Schwule und Lesben in den vielen Stadtteilen sichtbar und alltäglich sind. In  Kindergärten und Schulen muss dennoch jede Familie für sich Pionierarbeit leisten. Ob und wie dies gelingt hat viel mit individuellem Engagement und Selbstbewußtsein zu tun, es ist aber auch abhängig von den verschiedenen Trägern und Institutionen und deren Bereitschaft sich auf vielfältige Familienformen einzustellen. Meiner Meinung nach könnte die Stadt Köln mehr als bisher tun, um (städtische) Kitas und Schulen mit Materialien zu versorgen und pädagogische Fachkräfte in Vorschule und Schule fortzubilden.

Wenn ich mir Städte wie Berlin und München anschaue, dann muss ich neidisch feststellen: Dort gibt es Regenbogenfamilienzentren! Räume und Gelder also, die Regenbogenfamilien ein weitaus größeres und vielfältigeres Angebot zur Verfügung stellen, als dies in Köln bisher der Fall ist. Der Bedarf für ein solches Angebot ist in Köln groß und er wird jährlich größer. In Köln wird das Angebot für Regenbogenfamilien - abgesehen von der Teilzeitstelle, die es im rubicon gibt - vom ehrenamtlichen Engagement einzelner Personen getragen. Ehrenamt, gerade wenn es neben Familie und Beruf erbracht wird, ist kein Ersatz für hauptamtlich gemachte und finanzierte Angebote. Ehrenamt hat Grenzen. Der aktuelle Aufruf aus zwei der Regenbogenfamilien-Gruppen zeigt dies deutlich. 

Auch wenn es in Köln  verhältnismäßig viele Regenbogenfamilien gibt, sind Regenbogenfamilien nach wie vor wenig sichtbar in den politischen Entscheidungsprozessen der Stadt Köln. Ich hoffe, dass sich dies mit dem im Oktober 2017 eingeleiteten Aktionsplan für LBTI der Stadt Köln ändert und positive Weiterentwicklungen auch für Regenbogenfamilien möglich werden - und dies nicht in ferner Zukunft, sondern zeitnah und ganz konkret.

Was muss sich deiner Meinung nach gesellschaftlich und politisch bewegen, damit Regenbogenfamilien gleichgestellt sind?

Die Öffnung der Ehe hat für Regenbogenfamilien wenig geändert. Nach wie vor müssen diese das unsinnige und diskriminierende Prozedere der Stiefkindadoption durchlaufen. Änderungen im Abstammungsrecht, wie sie die Grünen und der Lesben und Schwulen Verband Deutchland (LSVD) bereits formuliert haben, sind nötig, um schwule und lesbische Elternschaft mit heterosexueller Elternschaft gleichzustellen. Gleichzeitig muss sich das gesellschaftliche Verständnis darüber, wer Familie ist und wie Familie gelebt wird, weiter verändern. Mehrelternfamilien, Alleinerziehende und Patchworkfamilien sind keine Familien zweiter Klasse. Fortbildungen und Aufklärungsarbeit in Familienberatungsstellen, in Schulen, in Kitas, in Arztpraxen und Kliniken sind wichtige Schritte, um vielfältige Familienformen als selbstverständlichen Bestandteil unserer Gesellschaft in die "breite Masse" zu bringen.

Wenn du drei Wünsche offen hättest, was würdest du dir für Regenbogenfamilien in Köln wünschen?

  • Ein Regenbogenfamilienzentrum für Köln
  • Ein Angebot für ältere Kinder aus Regenbogenfamilien 
  • Mehr Engagement aus der Regenbogenfamilien-Community

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