Erster Dyke March COLOGNE

Im Juli erlebte Köln eine Premiere: Beim ersten Dyke March liefen mehr als 1.500 Lesben durch die Innenstadt. Dyke, ein englisches Wort für Deich, und eine ursprünglich abwertend gemeinte Bezeichnung für Lesben, die selbstbewusst auftreten und nicht den von Frauen erwarteten Verhaltensweisen entsprechen. Das Schimpfwort wurde sich von den Beschimpften angeeignet und ist heute eine stolze Selbstbeschreibung. Der erste Dyke March wurde in Kanada organisiert, jetzt finden sie in immer mehr Städten am Vorabend der Gay Pride Demos (nur in Deutschland CSD Christopher Street Day genannt) statt.

Am Roncalliplatz vor dem Dom versammelten sich Lesben jeden Alters, bunt und vielfältig. Meine Frau und ich und unsere fünf Monate alte Tochter waren mit dabei. Ihren Kinderwagen schmückten wir mit Helium gefüllten Luftballons. Mit Edding schrieb ich drauf: Mama, Mami und Kind. Wir trafen Freundinnen und lesbische Bekannte – ein Wiedersehensfest.

Nach ein paar Reden zog der Dyke March los. Passanten schauten interessiert. Ein Demozug ohne große Wagen und nur mit Live Musik. So war die Veranstaltung auch für Kinder gut mitzumachen. Die Samba Gruppe waren sehr rücksichtsvoll - als eine Freundin mit ihrem vierjährigen Sohn vorbeizog, der sich die Ohren zuhielt, weil ihm die Musik zu laut war, spielten sie alle leiser.

Die vielfältige Wirklichkeit lesbischen Lebens zeigte sich auf den Straßen Kölns. Fantasievolle Schilder und Verkleidung waren dabei und auch politische Schilder. Mit dabei waren Forderungen nach Anerkennung und Solidarität mit geflüchteten Frauen und nach Aufmerksamkeit für lesbisches Leben, das in den Medien kaum dargestellt wird. Mein Lieblingsschild: "Feminis -muss". So unterschiedlich alle waren, so verband uns doch sehr viel. Ich hätte mich bei allen Gruppen einreihen und mitlaufen können. Am Ende des Zuges sammelten sich Regenbogenmütter mit Kindern. Auch einige Männer liefen mit. Mir machte es Spaß, mit unserer Tochter die gesammelte lesbische Energie aufzusaugen.

Ob viele Menschen und VertreterInnen der Medien durch den Dyke March aufmerksamer für lesbische Frauen wurden? Es gab in den Medien kurze Berichte von der Demo. Aber der Weg scheint mir noch lang, bis Menschen bei dem Wort Homosexuelle oder Gay an lesbische Frauen denken.

Aber der Dyke March hatte Wirkung: Uns hat die öffentliche lesbische Präsenz gestärkt und ermuntert offen lesbisch auf zu treten und offensiv anders zu sein. Ich danke den Initiatorinnen und Organisatorinnen und hoffe darauf, dass es nächstes Jahr wieder einen Dyke March gibt.

geschrieben von Eli Wolf


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