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Ein Tag voller Empowerment - Ein Erlebnisbericht

Kranhaeuser; (c)regenbogenfamilien-koeln.de

7:30 Uhr - Sonntag Morgen. Der Wecker klingelt. Gääähn! Ist das früh! Doch meine zwei Kinder und ich müssen aus den kuscheligen Federn, denn heute ist der Regenbogenfamilien-Empowerment-Tag! Also aufgestanden und das noch ziemlich ohne Power.

9:50 Uhr - Wir ziehen Kreise mit unserem Auto duch die Kölner Südstadt. Die erste Herausforderung des Tages will gemeistert werden: einen Parkplatz Nähe des Severninsklösterchens zu finden. Gar nicht so einfach! Wären wir doch besser mit den Öffentlichen gekommen. Meine Kinder hüpfen aufgeregt auf der Rückbank herum. Ich werde langsam nervös, zu spät kommen macht mich immer kribbelig

10:10 Uhr -  Wir betreten die Räume der Elternschule im Severensklösterchen. Wow! Ich staune. Sooo schön und groß hatte ich mir die Räumlichkeiten nicht vorgestellt. Ich bin beeindruckt. Ein riesen Raum mit Platz für die Kinder zum Toben, ein langer Tisch und gemütliche Sitzecken zum Relaxen. Ich greife mir erstmal einen Kaffee und sage Hier und Da "Hallo". Viele bekannte Gesichter.  Auch viele mir unbekannte Gesichter. Eine warme Athmosphäre  aus wuseligen Kindern und noch etwas müden Müttern (Väter sehe ich keine).

10:25 Uhr - Michaela Herbertz-Floßdorf begrüßt als Organisatorin des Tages die Anwesenden.  Danach tritt Frau Paeleke-Kuhlmann aus dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, ans Mikrofon. Frau Paeleke-Kuhlmann ist Abteilungsleiterin und Referatsleiterin  für Grundsatzfragen der Familienpolitik, Familie und Arbeitswelt im Düsseldorfer Ministerium. Also eine wichtige Person für Familien in NRW. Toll, dass sie hier ist! Toll, das das Ministerium den Empowerment-Tag mit einer Förderung unterstützt! Sie  spricht die Kinder direkt an und erzählt eine Geschichte. Das ist kurzweilig und macht sie sehr sympathisch. 

 

10:40 Uhr - Die Workshops werden vorgestellt: Die Kinder können wählen zwischen einem Musik-Workshop mit Suli Pushban, der Erstellung eines StopMotion-Films und einem Bewegungsangebot. Die Eltern haben die Wahl zwischen dem Workshop "RGBF in der Grundschule" und Bewegung- und Entspannung. Jetzt gilt es sich zu entscheiden. Da ich noch immer müde und etwas steif bin, wähle ich den  Bewegungs-Workshop. Ein bisschen Sport kann nicht schaden. Ich schlüpfe in meine Jogginghose und mein Yoga-Shirt und begebe mich in den hellen, mit Matten ausgelegten Gymnastik-Raum. Nach und nach trudeln auch die anderen bewegungsfreudigen Mütter ein. Gut angeleitet finde ich  langsam in meinen Körper. Ich merke, wie gut mir die Bewegung tut. Zum Schluss gibt es eine progressive Muskelentspannung. Ahh, JETZT bin ich wach und ganz im Hier und Jetzt. :-)

11:30 Uhr - Wo sind eigentlich meine Kinder? Ach da, im StopMotion Workshop! Die Medienpädagogin und Kamerafrau Tarja Kühne leitet hier rund 15 Kinder an, Trickfilme in Legetechnik zu produzieren. Meine Kids sind konzentriert dabei. Ich werde nicht gebraucht. Gut. Zeit für einen Tee! Ich lasse mich entspannt und schon leicht empowert in einen Sessel sinken. 

12:30 Uhr- Mittagessen! Ich merke erst jetzt, wie groß mein Hunger ist. Mhmm, das riecht gut und sieht lecker aus. Die Köchinnen haben ein tolles Buffet gezaubert. Die Erwachsenen lassen es sich schmecken. Viele Kinder sind nicht so begeistert und bleiben lieber bei Keksen und Brot. Schade. Aber je größer die Kinder, desto schwieriger das Essverhalten. Das kenne ich. Mein Wunsch bzw. der Wunsch meiner Kinder: Das nächste Mal bitte Nudeln für die Kinder!

13:30 Uhr - Gestärkt geht es in die zweite Runde der Workshops. Bewegung hatte ich ja schon, jetzt ist auch mein Kopf bereit, sich mit dem Thema "Regenbogenfamilien machen Grundschule" zu beschäftigen. Also setze ich mich in den Kreis von circa 20 Müttern, die sich schon am Vormittag über ihre Erfahrungen mit (Grund-)schule ausgetauscht haben. Moderiert von Michaela Herbertz-Floßdorf und Sarah Dionisius entspannt sich eine rege Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen, unsere Kinder in ihren Grundschule zu empowern. An Vielfalt in Schulbüchern und in den Köpfen der Lehrkräfte fehlt es vielerorts. Viele Mütter fühlen sich allein gelassen mit der Aufgabe, ihre Familienform als selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft in die Schule zu bringen. Das Kind hat Probleme im Sozialverhalten? Klar, denn ihm fehlt es an männlichen Bezugspersonen! Der Sexualkundeunterricht vermittelt nur heterosexuell Praktiken und Fortpflanzungsmethoden - der Mann liegt auf der Frau -, so entstehen Babys, wie denn sonst?  Familienvielfalt in Schule und Unterricht ist wünschenswert und wäre stärkend für ALLE Kinder. Auch für unsere Kinder, damit sich diese im Unterrichtsstoff wiederfinden. Für uns Eltern , damit wir nicht dafür verantwortlich sind, einzelnd in die Klassen zu gehen und "unser Thema" in die Klasse zu bringen, während unsere eigenen Kinder mit roten Köpfen daneben sitzen und es einfach nur peinlich finden, dass ihre Mütter für erweiterte Aufklärung sorgen. 

14:15 Uhr - Wo sind eigentlich meine Kinder?  Ich gehe in den Stop-Motion-Raum. Mein Sohn zeigt mir stolz und aufgeregt die (Zwischen-)Ergebnisse seiner Teamarbeit. "Wir haben einen Minion-Film gemacht! Die Minions jagen den Regenbogen. Der Film ist noch geheim. Nachher kommt die Vorführung." Selten habe ich ihn so konzentriert bei einem Angebot mitmachen sehen. "Schau mal, jede Gruppe hat ein Tablet. Und ich muss jetzt 140 Bilder drehen. Als stör mich jetzt nicht weiter. Das ist viel Arbeit!".  Okay, mein Sohn ist schwer beschäftigt. Schön! Meine Tochter springt mit zwei Freundinnen durch die Räume. "Was macht denn  euer Film? Ist der schon fertig?"., frage ich die Mädels. "Wir machen Pause, Mama!", sprudelt es aus meiner Tochter heraus. "Unser Film ist toll. Aber wir wollen jetzt erstmal hier spielen." Okay. Alles klar. Die Kinder sind busy und wirken sehr happy. 


15:00 Uhr - Zeit für Kaffee und Kuchen! Ich lege mich entspannt in einen der gemütlichen Sessel, genieße den leckeren Kuchen und unterhalte mich mit Frauen aus Düsseldorf und Neuss.Die anwesenden Familien kommen aus ganz NRW - viele aus dem Ruhrgebiet & Niederrhein und natürlich aus Düsseldorf und aus Köln. Es ist spannend sich auszutauschen über das (Regenbogenfamilien-)Leben und die Gruppenangebote in den einzelnen Orten. Es gibt so viel zu erzählen! Und es ist ja auch schön, mal nicht eingespannt zu sein. Frei-Raum und Frei-Zeit, um einfach nur hier zu sein und es zu genießen, dass so viele tolle Familien zusammengekommen sind. Ich sitze da und schaue in den Raum. Erstaunlich, es ist wuselig und gleichzeitig total entspannend. Die kleineren Kinder sind damit beschäftig die großen, bunten Gymnastikbälle durch den Raum zu werfen und zu schießen. Erstaunlich, so viele Kinder, so viel Dynamik, so viele Bälle - und es passieren keine Unfälle und keine Scherben. Wahnsinn!

16:00 Uhr - Vorhang auf für die Filmvorführung der von den Kinder produzierten StopMotion-Filme. Die Kinder sind aufgeregt. Die Mütter ebenfalls. In Dreiergruppen treten die Kids ans Mikrofon und stellen sich und ihren selbst gemachten Film vor. Dann wird es still im Raum und alle schauen sich gebannt die Kurzfilme an. Applaus! Applaus! Jeder der Filme, egal wie kurz, ist ein Meisterwerk. Ich bin beeindruckt. Nicht nur, dass die Kinder sich beim Film-Produzieren mit dem Thema Regenbogenfamilien kreativ auseinandergesetzt haben, sie haben dabei auch Medienkompetenz, Story-Telling und die Arbeit in der Gruppe erfahren und praktiziert. Es rührt mich zu sehen, wie stolz sie sind auf ihre Filme. Und nicht nur die Kinder sind stolz, auch die Eltern sind beeindruckt und freuen sich über die Zusage, die Film-Clips im Nachklang zu der Veranstaltung per Mail geschickt zu bekommen.

16:40 Uhr Suli Pushban legt los! Die Berliner Musikerin ist bekannt für ihre Bühnenpräsenz und ihre knackigen, politischen Lieder, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene von den Stühlen fegen. Sie spielt "Ich seh aus wie Elvis", "Rosa Parks bist du" und viele andere ihrer Hits. Suli singt mit Elan und Herzblut und vollem Einsatz, begleitet von ihrer Gitarre. Groß und Klein singt und klatscht und wippt mit. Und zum Schluss natürlich, das Lied von Lilie Fee, die die Schnauze voll hat von Rosa. So geil, ähm, gut. Die Musik von Suli ist der perfekte Ausklang für diesen perfekten Tag. 

18:10 Uhr - Wir müssen so langsam gehen. Wo sind meine Kinder? Ach egal!  Wir bleiben noch 10 Minütchen. Weil´s so schön ist. 

20:00 Uhr - Abends im Bett spielen meine Kids und ich ein Spiel, welches wir öfter machen: "Drei schöne Dinge des Tages". JedeR zählt der Reihe nach drei Dinge auf, die ihr/ihm im Laufe des Tages besonders gut gefallen haben. Für meinen Sohn sind dies: "1. Als wir uns die Minions-Geschichte ausgedacht haben. 2. Als wir die Fotos für unsere Minions-Geschichte gemacht haben und uns die Musik ausgesucht haben. 3. Als unser Film vorgeführt wurde." Die Highlights des Tages meiner Tochter: "1. Als ich mit E. und M. allein in dem Raum Pferd gespielt habe. 2. Als unser Film vorgeführt wurde. 3. Das Konzert von Suli." Und meine drei besten Dinge? Ui, wo fange ich an? "1. Als ich heute Morgen das Sport- und Entspannungsprogramm mitgemacht habe. Das hat mir total gut getan. 2. Die tolle Athmosphäre in der Elternschule. 3. Die vielen netten Gespräche und Kontakte, die ich gehabt habe. 4. Als Suli Pushban "Ich hab die Schnauze voll von Rosa" gespielt hat."  "Mama!", unterbricht mich meine Tochter. "Das waren jetzt schon VIER Dinge! Du darfst doch nur drei!"  Ach Mist, ich hätte locker zwanzig Dinge aufzählen können, die diesen Tag schön gemacht haben. Und ganz ehrlich: Auch, wenn es sich gerade eher müde anfühlt, ich fühle mich tatsächlich empowert! 

Vielen Dank an die Organisatorinnen der Veranstaltung Michaela Herbertz-Floßdorf (vielfältig e.V. und MundWerk ) und Meike Adam (vielfältig e.V.) sowie Sarah Dionisius (rubicon e.V.). 

WIEDERHOLUNG SEHR ERWÜNSCHT!

geschrieben von Birgit Brockerhoff


Fotoimpressionen

Bildnachweis: Alle Fotos (c) Birgit Brockerhoff


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