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Die Familienpolitik der AfD: Keine Alternative für Regenbogenfamilien

(c)riesenradmitdom; regenbogenfamilien-koeln.de

Letztes Wochenende befand sich Köln im Ausnahmezustand. Der AfD-Bundesparteitag fand im „Maritim“-Hotel statt. Über 30.000 Demonstrant*innen gingen gegen die AfD und ihre rechtspopulistischen Positionen auf die Straße. Auf dem Parteitag wählte die AfD Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die  Bundestagswahl. Alice Weidel hat zwei Söhne, vier Jahre und drei Monate alt, die sie gemeinsam mit ihrer Partnerin großzieht, einer Schweizer Film- und

Fernsehproduzentin.

Wie die beiden Frauen zu ihren Kindern gekommen sind, habe ich den Presseberichten bisher nicht entnehmen können. Da die Kinder noch klein sind, nehme ich an, dass sie nicht aus einer vorherigen heterosexuellen Beziehung stammen. Darauf kommt es aber auch nicht an. Worauf es ankommt ist, Alice Weidel lebt in einer Regenbogenfamilien.

Ich vermute, sie (und ihre Partnerin) bezeichnen sich nicht als Familie. Nur so kann ich mir erklären, dass eine frauenliebende Frau mit Kindern sich in einer Partei Zuhause fühlt, die ihr eigenes Familienleben nicht als Familie anerkennt.

Familie = Vater, Mutter Kinder

Frau Weidel macht keine Familienpolitik für die AfD. Sie setzt andere politische Prioritäten. Dennoch dürfte sie die Positionen ihrer Partei zum Thema Familie kennen. Für die AfD besteht die Familie aus Vater, Mutter und Kindern. Die Familie ist die „Keimzelle der Gesellschaft“. Beklagt wird die „dramatische Zunahme der Ehe- und Kinderlosigkeit“. Die Familienpolitik der AfD will der„Schrumpfung unserer angestammten Bevölkerung“ entgegenwirken.

Homosexueller Partnerschaften und die Gleichheit von Mann und Frau sind für die AfD „Gender-Ideologie“, die die „naturgegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern“ verneine. „Wir lehnen alle Versuche ab, den Sinn des Wortes „Familie“ im Grundgesetz auf andere Gemeinschaften auszudehnen und der Familie auf diesem Wege den besonderen staatlichen Schutz zu entziehen.“ (Quelle: Leitantrag für ein Bundestagswahlprogramm der AfD

Da in der Presse die Rede von Lebenspartnerin ist, und nicht von Lebensgefährtin, vermute ich, dass Frau Weidel und ihre Liebste verpartnert sind. Frau Weidel würde damit das mühsam erkämpftes Recht auf „eingetragene Lebenspartnerschaft“ für sich in Anspruch nehmen. Hier fängt es für mich an paradox zu werden. Das Recht auf eingetragener Lebenspartnerschaft gehört zu den Errungenschaften der "politischen Korrektheit", die Frau Weigel gerne im "Mülleimer der Geschichte" entsorgen möchte.

Welche Werte will Frau Weidel ihren Kindern mitgeben?

Frau Weidel kam nach eigener Aussage aus „Verärgerung über die Rettungspakete der Europäischen Union für Griechenland zur AfD“. Sie macht sich stark gegen den Zuzug von Flüchtlingen, sie spricht sich für einen Austritt Deutschlands aus dem Euro aus. „Ich mache das auch für meine Kinder.“, sagt Frau Weidel in der faz (Quelle: faz-Artikel vom 2.3.2017,  Alice Weidel im Porträt: Alternative zu Höcke). 

Ich frage mich, was ihre Kinder später dazu sagen werden, wenn sie erfahren, dass ihre Familie im Weltbild ihrer Mutter nicht existiert. Welche Werte will Frau Weidel ihren Kindern mitgeben? Wie sollen die Kinder selbstbewusst in einer Regenbogenfamilie aufwachsen, wenn eine ihrer Mütter sich für eine Partei stark macht, die ein gänzlich anderes Familienbild propagiert?

AfD-Vorsitz und Regenbogenfamilie - Ein Widerspruch?

Eine lesbische Frau mit Regenbogenfamilie an der Spitze der AfD? Das mutet auf den ersten Blick schizophren an. Bei einem zweiten Blick geht das schon „irgendwie“ zusammen. Man muss nur einen Blick in die Geschichte werfen. Frauen haben eine lange Übung darin, Positionen zu vertreten, die gegen ihre Freiheit, ihre Selbstbestimmung, gegen ihre eigenen Rechte stehen.

Vor diesem Hintergrund kommt es mir nicht mehr so verquer vor, dass nun eine Lesbe mit Regenbogenfamilien die AfD im Wahlkampf anführt. Denn dies macht deutlich, wir sind nicht immer nur „die Guten“. Teil einer Regenbogenfamilie zu sein, heißt nicht automatisch, unsere Lebens- und Familienform gleichgestellt sehen zu wollen. Nur weil man selbst einer Gruppe angehört, die Diskriminierung erfährt, muss man nicht besonders aufgeklärt oder fortschrittlich sein. Schwul sein oder lesbisch sein schützt nicht vor Homophobie. Es kann auch heißen: Ich bin zwar lesbisch/ich bin zwar schwul und ich lebe zwar mit Kindern, aber ich finde es trotzdem gut, wenn ich nicht gleich behandelt werde und die gleichen Rechte erhalte. Ich akzeptiere die Höherstellung und Höherbewertung der Mann-Frau-Ehe und ich finde, ein Kind braucht Vater und Mutter. Zu viele Schwule, zu viele Lesben vertreten solche Positionen und empfinden dies nicht als schizophren oder diskriminierend.

Alice Weidels Engagement in der AfD ist damit auch eine Form von anzuerkennender Realität, die - auch wenn sie mir nicht gefällt – Teil der Community ist. Auch Lesben und Schwule und Trans* können gegen die Rechte von Frauen, von Muslimen und von Homosexuellen sein.

Ich bin froh bei der Demonstration gegen den AfD-Parteitag im April in Köln dabei gewesen zu sein. Die Frauenkette um´s Maritim und die Demo durch die Kölner Innenstadt war sehr präsent und laut und hat gezeigt: Köln ist bunt! Die Positionen der AfD sind hier nicht willkommen. Die Familienpolitik der AfD ist keine Alternative für Deutschland.  Und sie ist erst recht keine Alternative für uns Regenbogenfamilien.

geschrieben von Familie Regenbogenbunt


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Kommentare: 1
  • #1

    Tizia (Donnerstag, 27 April 2017 20:04)

    Ein sehr guter Beitrag! Die Diskussion dass es durchaus Regenbogenfamilien gibt, die nicht die gleichen Rechte für sich und ihre Familien einfordern, ja, sich auch nicht dafür engagieren und sich eventuell mit den Inhalten der AfD identifizieren,finde ich mehr als befremdlich...
    Frau Weidel ist für mich in ihrer Position als Politikerin für die AfD ein No-Go. Wie kann frau an der Spitze an einer Partei stehen, die ihresgleichen diskriminiert und die eigene Lebenssituation/Lebensrealität aberkennt? Mir bleibt das ein Rätsel... aber es gibt anscheinend nichts was es nicht gibt... auch nicht in Regenbogenfamilien. Für mich bleibt nur eins: weiter für Rechte von Schwulen/Lesben/Trans einzustehen und den Kindern, ergal ob sie in Regenbogenfamilien aufwachsen oder in heterosexuellen Familien , ein offenes, buntes und tolerantes Selbstbild zu vermitteln. Packen wir's an!!!

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